„Singen lässt uns die Weihnachtsbotschaft spüren“

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Josi Habringer über gemeinsames Singen im Advent

© Richard Haidinger

„Alle Jahre wieder…“ Wer kleinere Kinder hat, wird vielleicht bald schon diesen Weihnachtsklassiker rund um den Adventkranz anstimmen. Das Musizieren im Advent oder unter dem Christbaum hat lange Tradition und sorgt für ein einzigartiges Gemeinschaftsgefühl. Früher gab es noch keinen Radio und es wurde fast überall, wo Menschen zusammentrafen, gesungen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist dieses schöne Brauchtum allerdings rückläufig. Das ist sehr schade, denn gerade in der besinnlichen Zeit schafft es Nähe, Frieden und ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Nicht umsonst genießen es die Kinder sehr, wenn sich ihre Eltern einmal bewusst Zeit nehmen, um mit ihnen zu musizieren. Warum das gemeinsame Singen so wichtig, was im Advent besonders zauberhaft und was das Schöne am Singen im Mariendom ist, hat uns Domkapellmeister a.D. Mag. Josef Habringer im Interview verraten:

Singen verbindet. Geht uns diese schöne Tradition in der Hektik unserer Zeit verloren?

Für viele Menschen ist die Bereitschaft zum Singen kaum mehr vorhanden, am ehesten noch zu Weihnachten und im Advent.

Warum ist das gemeinsame Singen im Advent so wichtig?

Die Weihnachtsbotschaft ist eine sehr emotionale und wir müssen versuchen, diese mit allen Sinnen zu erfassen und vor allem über das Medium der Musik zu vermitteln. Gemeinsames Singen ist dabei die beste Möglichkeit, die Weihnachtsbotschaft zu verinnerlichen und in uns eine Ahnung vom Geheimnis der Menschwerdung Gottes erfahrbar werden zu lassen. Zu Weihnachten berühren einander Himmel und Erde, wenn die „Engel auf den Feldern singen“: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden. Das singen wir uns gegenseitig zu!

Welche Lieder empfehlen Sie im Advent?

Der Advent ist eine Zeit der Sehnsucht: Dunkel, Kälte, Unfriede, Krieg, Auseinandersetzung, Einsamkeit, Krankheit, Vergänglichkeit prägen unseren Alltag. Da singen wir: Es naht ein Licht in dunkler Nacht, und bitten: Tauet Himmel den Gerechten, O Heiland reiß die Himmel auf, O komm, o komm, Emmanuel. Für Kinder eignen sich Lieder und Zeilen wie: „Wir sagen euch an, den lieben Advent“, „Mache dich auf und werde Licht“ oder „Kündet allen in der Not“.

Kirchenchöre haben oftmals auch ein „Nachwuchsproblem“. Was tun Sie, um auch jüngere Menschen anzusprechen?

Jüngere Menschen für das Chorsingen zu begeistern, ist eine sehr schwierige Aufgabe, weil in unserer Zeit fast nirgendwo mehr gesungen wird, nicht in den Familien, nicht selbstverständlich im Kindergarten und in den Schulen, kaum im geselligen Kreis. Für viele ist die Kirche oft der einzige Ort, wo man zum Singen eingeladen ist (aber hier findet man kaum Jugendliche). Kinder- und Jugendchöre sind eine Möglichkeit, jungen Menschen das Singen schmackhaft zu machen. Da braucht es aber einen sehr langen Atem für die Leitenden.

Was macht das Singen in einem Chor so besonders?

Chorsingen bietet das wunderbare Erlebnis von Mehrstimmigkeit, es ist eine Einübung in soziales Verhalten. Man muss aufeinander hören und jeder bringt sich mit seinen Fähigkeiten und seiner Stimme ein. Dadurch schwingen Sängerinnen und Sänger aufeinander ein. So entsteht Gemeinschaft und das Erleben von intensivem Miteinander. Chorgemeinschaft ist ein wesentliches Gut und bietet Menschen eine Art Beheimatung.

Haben Sie eine lustige Anekdote aus Ihrer Zeit als Domkapellmeister, von der Sie gerne erzählen möchten?

Vor einiger Zeit sprach mich eine Frau auf der Straße an und sagte: „Ach, entschuldigen Sie, Sie sehen dem Linzer Domkapellmeister zum Verwechseln ähnlich“. Da antwortete ich: „ Da habe ich aber großes Glück, dass dem so ist. Ich bin nämlich der Domkapellmeister von Linz!“

Wie unterscheidet sich der Klang im Mariendom von anderen Kirchen?

Der Mariendom ist einzigartig durch seine Größe, seine geheimnisvolle Atmosphäre, die wunderbare Rudigier-Orgel und vor allem durch seine besondere Akustik. Der Nachhall im leeren Raum beträgt circa acht Sekunden. Der Gesang und die Musik haben hier Zeit, sich auszubreiten und den Raum zu erfüllen. Hier berühren einander Zeit und Ewigkeit, Erde und Himmel.

Was ist das Schöne am Mariendom im Advent?

Die Aktivitäten am Mariendom sind in der Advent- und Weihnachtszeit besonders vielfältig: Die Sonntagsgottesdienste mit der entsprechenden und ansprechenden Gestaltung, die Rorate, die Führungen durch den Dom und auf den Turm, Meditationen, die wunderbare Weihnachtskrippe und die gelungene Kombination von Adventmarkt und spirituelles Angebot im Dom.

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